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Ostdeutsche Politiker fordern aktivere Diplomatie im Ukraine-Konflikt

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Führende Politiker aus Brandenburg, Sachsen und Thüringen drängen auf verstärkte diplomatische Bemühungen im Russland-Ukraine-Krieg. Sie suchen einen Mittelweg zwischen BSW-Forderungen und traditioneller Außenpolitik.

In einem bemerkenswerten Schritt haben drei führende Politiker aus den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Thüringen die Bundesregierung zu einer aktiveren diplomatischen Rolle im Russland-Ukraine-Konflikt aufgefordert. Diese Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die politische Landschaft in diesen ehemaligen DDR-Ländern nach den jüngsten Landtagswahlen im Umbruch ist.

Dietmar Woidke (SPD), Michael Kretschmer (CDU) und Mario Voigt (CDU) veröffentlichten einen gemeinsamen Gastbeitrag in der renommierten Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Darin plädieren sie für verstärkte diplomatische Anstrengungen, um eine Lösung im seit etwa zweieinhalb Jahren andauernden Konflikt zu finden. Die Politiker betonen die Notwendigkeit einer "starken und geschlossenen Allianz", um Russland an den Verhandlungstisch zu bringen.

Diese Initiative kann als Versuch gewertet werden, einen Mittelweg zwischen den Forderungen des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und der traditionellen deutschen Außenpolitik zu finden. Das BSW, das erst im Januar 2024 gegründet wurde, könnte nach den Wahlen eine Schlüsselrolle bei der Regierungsbildung in den drei Bundesländern spielen.

Die Autoren des Beitrags betonen einerseits die Notwendigkeit eines Waffenstillstands und "belastbarer Sicherheitsgarantien" für die Ukraine. Andererseits unterstreichen sie Deutschlands unverbrüchliche Zugehörigkeit zur Europäischen Union, zur NATO und zur OSZE. Diese Organisationen, die alle nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurden, spielen eine zentrale Rolle in der europäischen Sicherheitsarchitektur.

Interessanterweise greifen die Politiker auch auf Erfahrungen aus der Zeit des Kalten Krieges zurück, der von 1947 bis 1991 dauerte. Sie argumentieren, dass Deutschland seine Verteidigungsfähigkeit stärken müsse, betonen aber gleichzeitig die Bedeutung "kluger Diplomatie". Diese Haltung spiegelt die komplexe Sicherheitslage in Europa wider, die durch den Konflikt in der Ukraine, der am 24. Februar 2022 mit der russischen Invasion begann, noch verschärft wurde.

Die Frage der Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in westdeutschen Bundesländern wird von den Politikern vorsichtig angesprochen. Sie kritisieren, dass dieses Thema "besser erklärt und breiter diskutiert" hätte werden müssen. Es ist wichtig zu beachten, dass der INF-Vertrag, der solche Waffen verbot, 2019 aufgekündigt wurde.

Sahra Wagenknecht, die Vorsitzende des BSW und ehemalige Linkspartei-Politikerin, begrüßte den Beitrag als wichtigen Schritt zur Erweiterung der politischen Debatte in Deutschland. Sie sieht darin eine willkommene Abkehr von der bisherigen Fokussierung auf Waffenlieferungen an die Ukraine.

Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Vorstoß auf die möglichen Koalitionsverhandlungen in den ostdeutschen Bundesländern auswirken wird. Die Tatsache, dass die Bundesländer laut Grundgesetz keine Entscheidungskompetenz in der Außen- und Verteidigungspolitik haben, könnte die praktischen Auswirkungen dieser Initiative begrenzen.

"Angesichts einer politischen Debatte, die sich seit zweieinhalb Jahren in Deutschland nur noch um die Frage dreht, welche Waffen als Nächstes an die Ukraine geliefert werden, ist der Artikel ein wichtiger Beitrag, weil er endlich eine andere Perspektive aufzeigt."

Sahra Wagenknecht, BSW-Vorsitzende

Diese Entwicklung unterstreicht die komplexen Herausforderungen, denen sich die deutsche Politik angesichts des anhaltenden Konflikts in der Ukraine und der sich verändernden geopolitischen Landschaft gegenübersieht.